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Ausgangslage 

In den Armenvierteln am Rande der Mülldeponie von Cagayan de Oro leben rund 1400 Menschen in 300 Haushalten. Sie alle leben vom Wertstoffsammeln, dem Geschäft mit wiederverwertbaren Stoffen von der Mülldeponie. Die ersten Wertstoffsammler siedelten sich anfangs der 1970er Jahre in illegal errichteten Bretterhütten rund um die Deponie und auf der Deponie selbst an. Sie waren land- und besitzlose Menschen, Plantagenarbeiter und Flüchtlinge des bewaffneten Konflikts im Süden der Insel Mindanao. Heute lebt bereits die dritte Generation von Wertstoffsammlern in diesen Siedlungen. Kinder und Jugendliche sind hier aufgewachsen und nennen diesen aus Abfallbergen und Bretterhütten bestehenden Ort ihr Zuhause – sie kennen nichts anderes. Die Stadtregierung hat die Schliessung der bestehenden Mülldeponie für 2011 beschlossen und will an einem neuen Standort ausserhalb der Stadt eine neue Deponie errichten. Auf dieser soll die Trennung der Wertstoffe vom Abfall dereinst privatisiert und automatisiert werden. Die Wertstoffsammler und ihre Kinder sollen alsdann keinen Zutritt mehr zur neuen Deponie erhalten. Ihr heutiges Wohngebiet, in welchem sich ihr ganzer Lebensalltag abspielt, soll schliesslich in ein Gewerbeviertel und/oder in ein Wohnquartier für mittlere und höhere Einkommensklassen umgewandelt werden. Die heutigen Bewohner hätten dann das Nachsehen. Heute verdienen diese Familien ihren spärlichen Lebensunterhalt vorwiegend vom Wertstoffsammeln. Wird der Plan der Stadtregierung umgesetzt, hätten sie bald keine Lebensgrundlage mehr. Erfahrungsgemäss haben Betroffene in den meist abgelegenen Umsiedlungsgebieten der Regierung kaum Einkommensmöglichkeiten. Sie müssenlange Wegstrecken in die Stadt auf sich nehmen, um ein dürftiges Einkommen, welches weit unterhalb der Armutsgrenze liegt, zu verdienen. Dabei müssen sie einen Grossteil ihres Verdienstes bereits für die Fahrkosten aufwenden. Benachteiligte Menschen werden somit samt ihren Problemen aus den Augen der Öffentlichkeit  verdrängt  und mit noch schwierigeren Lebensbedingungen konfrontiert.
  
Zusammenarbeit
Island Kids Philippines unterstützt die „Mano-Mano Landless Association“, die sich aus den betroffenen Bewohnern zusammensetzt und sich für deren Rechte als Bürger einsetzt. In regelmässigen Sitzungen wird die Zusammenarbeit besprochen und geplant und es finden Verhandlungen mit der Stadtregierung und dem Landbesitzer statt.  Es bestehen bereits Grundbuchpläne, nach welchen die neubestimmten Parzellen zugeordnet werden. Um ein legales Wohnquartier zu schaffen, müssen die auf engstem Raum aneinandergereihten Bretterhütten mit vorgegebenen Abständen  voneinander getrennt werden. Einige Familien müssen ihre Behausung gar an weiter entfernte, neue Standorte verschieben – dies etwa um den geplanten Zufahrtsstrassen und Wegen zu weichen. Sogar die beiden Kirchen im Viertel müssen versetzt werden. Beim Verschieben der zahlreichen Hütten innerhalb des Viertels auf die neuzugewiesene Parzellen helfen die Bewohner, die Mitglieder der Landless Association und Island Kids Philippines den betroffenen Familien.  

   

Perspektiven
Island Kids Philippines ist damit einverstanden, dass die Mülldeponie an einen von der Stadt weit entfernten Standort verschoben werden soll, damit die ihr angrenzenden Siedlungen vom ewigen Dreck befreit werden, die Luft sauberer wird und keine Kinder mehr auf den Abfallbergen arbeiten, sondern zur Schule gehen können. Die seit Jahrzehnten angesiedelten Menschen mit ihren Familien sollen aber bleiben dürfen. Sie sollen den ihnen vertrauten Grund und Boden endlich legal erwerben können und nicht, wie so oft, einfach samt ihren Problemen auf der Landkarte verschoben werden. Sesshaft sein zu können und ohne mit der ständigen Angst einer Zwangsumsiedlung leben zu müssen, würde den Familien nach langer Zeit endlich die nötige Grundlage verschaffen, um sich in ihrer Siedlung dauerhaft einzurichten, offizielle Wasser- und Stromanschlüsse zu erhalten, ein Abwassersystem zu bauen und sich als Gemeinde besser zu organisieren. Im Viertel sollen noch vor der Verlegung der Mülldeponie erste nachhaltige Livelihood-Projekte entstehen, die den Menschen Einkommensmöglichkeiten als Alternativen zum aussterbenden Wertstoffsammeln bieten. Die Siedlung soll schrittweise, durch die Bewohner selbst und nach ihren Vorstellungen, in einen lebensfreundlicheren Ort verwandelt werden. Bei diesem transformativen Entwicklungsprozess will IKP den Menschen helfen. Das IKP-Learningcenter könnte dereinst in ein praktisches Ausbildungscenter für die Berufsbildung der zahlreichen bedürftigen jungen Erwachsenen umgewandelt werden. Inmitten der Siedlung könnte eine neue, grössere IKP-Schule für die zahlreichen bedürftigen Kinder entstehen. All dies kann jedoch nur realisiert werden, wenn die Menschen das Ringen um das von ihnen bewohnte Land gewinnen.