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Prolog Das neuerbaute Bildungs- und Betreuungscenter von Island Kids Philippines bietet seit dem 1. Juni 2009 qualitativ gute Grundschulbildung für heute (2011) bereits 148 der ärmsten Kinder und Jugendlichen der Philippinischen Hafenstadt Cagayan de Oro. Es bietet Platz für kleine Livelyhood-Programme und ein Alphabetisierungsprogramm für Mütter und Väter. Es beherbergt die von IKP vollzeitbetreuten Knaben, bietet Schutz und Geborgenheit für die von der Gesellschaft im Stich gelassenen Kinder und Jugendlichen und ist eine zentrale Anlaufstelle für Menschen mit unterschiedlichsten Problemen aus dem Armenviertel bei der städtischen Mülldeponie. Seine Schüler und Schülerinnen führten zuvor ein perspektivenloses Dasein als Strassenkinder oder lebten und arbeiteten unter unmenschlichen Bedingungen auf der Mülldeponie. Mitten im Armenviertel entstanden, ist das Center für die Slumbewohner ein Licht im Dunkeln und ein Zeichen der Hoffnung. Der nachfolgende Bericht soll die eindrucksvolle Geschichte seiner Entstehung erzählen. Er soll aufzeigen, wie es eine kleine Hilfsorganisation mit wenig finanziellen Mitteln aber viel Glauben, Mut und Initiative schaffen konnte, ein solches Projekt in kurzer Zeit erfolgreich zu realisieren. Die Geschichte unseres Centers ist ein grosses Abenteuer; sie erzählt von leeren Kassen, Neuplanungen und kleinen wie grossen Wundern, welche letztendlich eine Realisierung des Projektes erst möglich gemacht haben. Ein besonderer Dank gilt dabei allen Menschen, die durch ihr persönliches Engagement oder ihre finanzielle Mithilfe dieses Projekt ermöglicht haben. Ihr Einsatz war nicht umsonst, denn er gibt zahlreichen Kindern und Familien Hoffnung und Zukunftsperspektiven.
Datum: 09. November 2009 Verfasser: Thomas Kellenberger Projekt: Bildungs- und Betreuungscenter Zweck: Betreuung von und Grundschulbildung für Strassen- und Wertstoffsammlerkinder Bauphase: November 2008 – Mai 2009 Projektregion: Philippinen, Cagayan de Oro (Nordmindanao) Projektkosten: CHF 35‘702.- (Aufbaukosten) Raumfläche: 360 Quadratmeter verteilt auf zwei Stockwerke
Ausgangslage Sommer/Herbst 2008 Nach einem Artikel über IKP in der Zeitung „der Bund“, vom 28. Juli 2008, steigt die Zahl der von Island Kids Philippines (IKP) unterstützten Kinder und Jugendlichen von fünf Mädchen auf 20 Mädchen und Jungen an. Unser im Mai 2008 lanciertes Patenschaftskonzept macht uns jetzt, durch den Abschluss von Patenschaften durch Leser/innen der Zeitung Bund, die Aufnahme dieser zusätzlichen Kinder möglich. Das uns entgegengebrachte Vertrauen der Leser/innen, welche bereit sind, in die Hilfe für die bedürftigen Kinder zu investieren, freut uns sehr und bestärkt uns in unserer Tätigkeit. Die wachsende Anzahl der zu betreuenden Kinder und Jugendlichen stellt uns aber auch vor neue Herausforderungen. Damit wir für unsere Schützlinge eine gute Betreuung sicherstellen können, bedarf es der entsprechenden Infrastruktur. Das Haus der Mitbegründerin von IKP, Virgelia Demata, bietet eigentlich nur beschränkten Platz für die in der Pflegefamilie lebenden Mädchen. Die Jungen, welche nun ebenfalls bei Virgelia wohnen, sollten eine andere Unterkunft erhalten. Zudem unterstützen wir jetzt auch Kinder und Jugendliche, die bei ihren Familien wohnen, dort aber weder fliessendes Wasser noch Strom oder Toiletten zur Verfügung haben. Aus diesen Gründen wird Ende Sommer 2008 der Aufbau eines eigenen Mehrzweckcenters dringend notwendig. Dieses Center soll direkt in der Siedlung der Wertstoffsammler, dem Armenviertel neben der Mülldeponie, entstehen. Es soll Schulzimmer für Nachhilfeunterricht, Schlafräume für die von IKP unterstützen Knaben, Mehrzweckräume, sowie grössere sanitäre Einrichtungen enthalten. Während wir die Planung des Projektes in Angriff nehmen, befinden sich in unserer Vereinskasse knapp CHF 4‘000.-. Dieses Geld reicht gerademal aus, um die laufende Betreuung der 20 Kinder aufrechtzuerhalten - ein Centerbau scheint bei dieser Finanzlage utopisch. Virgelia hat zu diesem Zeitpunkt bereits eine geeignete Parzelle Land mitten im Armenviertel gefunden, auf welcher ein künftiges Center entstehen könnte. Es handelt sich dabei um ein 240 Quadratmeter grosses Grundstück, auf dem bereits ein kleines, stark vernachlässigtes Gebäude steht. Um keine Zeit zu verlieren und im Glauben daran, dass die nötigen Mittel für den Aufbau unseres Centers bald vorhanden sein werden, kaufe ich Anfangs Oktober mit meinem letzten Geld das erwähnte Grundstück. Das auf dieser Parzelle bereits existierende Gebäude soll baldmöglichst renoviert und vergrössert werden. Durch ein kleines Wunder und die Hilfe eines von IKP begeisterten Freundes, schaffen wir es am 13. Oktober 2008, kurz nach dem Zeitungsbericht im Bund, für ganze drei Minuten Sendezeit in die Sendung „Schweiz aktuell“. Die Sendung löst eine riesige Solidaritätswelle aus, sodass mein Briefkasten vor Post beinahe überquillt und sich auf einen Schlag 26 Zuschauer/innen für den Abschluss einer Kinderpatenschaft entschliessen. Mit der Verarbeitung der zahlreichen Anfragen ist unsere kleine, wohltätige Administration anfänglich regelrecht überfordert. Wir alle spüren aber, dass uns mit diesem Beitrag ein erster grosser Durchbruch gelungen ist. Jetzt ist Handeln angesagt. Vor dem Jahresende können kaum neue Kinder aufgenommen werden. Ob danach die 26 zusätzlichen Patenkinder bei uns aufgenommen werden können, hängt vor allem davon ab, ob wir innerhalb nützlicher Frist unser nun dringend benötigtes Center aufbauen können.
Planungsphase Oktober bis Dezember 2008 Das sich auf unserem neu erworbenen Grundstück befindende Gebäude besteht aus einem älteren und einem neueren Teil. Beim Kauf war es uns durchaus bewusst, dass das Gebäude renoviert werden, wenn nicht gar ganz einem neuen Haus weichen muss. Während die neuere Gebäudehälfte stark vernachlässigt ist, ist die ältere Gebäudehälfte gar einsturzgefährdet und nicht mehr zu retten. Unser Plan sieht deshalb vor, die ältere Gebäudehälfte abzubrechen und die noch brauchbare Gebäudehälfte zu renovieren. Anstelle des abgebrochenen Teils soll zudem ein aus Fertigelementen bestehender Billigbau (low cost building) entstehen. Zur Realisierung des Projektes, welches Räumlichkeiten für Nachhilfeunterricht, Wohnraum für rund 10 von IKP aufgenommene Knaben sowie sanitäre Anlagen bieten würde, wären rund CHF 13‘000.- notwendig. Von den nun bereits 28 durch IKP unterstützen Kinder und Jugendlichen, besuchen die ersten vier bereits seit eineinhalb Jahren und ein weiteres Kind bereits seit einem Jahr erfolgreich den Schulunterricht der christlichen Privatschule „Philadelphian Christian Academy“ (PCA). Die restlichen Kinder und Jugendlichen werden an zwei öffentlichen Schulen unterrichtet und erhalten von IKP zusätzlich Nachhilfeunterricht. Die Erfahrung der vergangenen zwei Jahre hat klar aufgezeigt, dass die Kinder, welche die öffentlichen Schulen besuchen, trotz intensiver Nachhilfe durch IKP grosse Mühe haben, sich zu steigern. Andererseits haben die fünf Schülerinnen, welche die PCA besuchen, bereits erhebliche Fortschritte gemacht. Dies ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Ein wichtiger Grund dürften die Klassengrössen sein, welche an den öffentlichen Schulen oft mehr als 90 Schüler pro Klasse ausmachen. Gerade bei den von uns unterstützten Kindern und Jugendlichen, welche aus äusserst schwierigen Verhältnissen kommen und in zahlreichen Fällen nie zuvor Schulbildung geniessen konnten, ist jedoch eine intensive und individuelle Betreuung im Unterricht notwendig. Obwohl unsere finanziellen Mittel zu diesem Zeitpunkt immer noch sehr stark beschränkt sind, beginnen wir damit, uns Gedanken über den Aufbau und das Führen einer hilfswerkseigenen Tagesschule zu machen. Es ist uns dabei bewusst, dass das ursprünglich geplante Center aufgrund seiner knappen Platzverhältnisse diese Funktion nicht wahrnehmen könnte. Nach den 26 Neuanmeldungen für Kinderpatenschaften, würde die Zahl unserer Kids bei einem Abschluss dieser Patenschaften auf über 40 ansteigen. Die Aufnahme so vieler neuer Kinder wäre auch nach der Realisation des geplanten Centers nicht möglich, da dieses als Ergänzung zu Virgelias Haus schlicht zu wenig zusätzlichen Platz für die Kinderbetreuung bieten würde. Mit der wachsenden Anzahl Kinder kommt schliesslich auch noch ein logistisches Problem dazu. Unsere Transportkosten für den öffentlichen Verkehr steigen stark an, und Unternehmungen mit allen Kindern gemeinsam gestalten sich ohne eigenes Fahrzeug schwierig. Zum dringend benötigten Center kommt also noch das Bedürfnis eines hilfswerkseigenen Schulbusses hinzu. Wir sehen uns also einerseits mit dem Segen zahlreicher Paten und Patinnen und andererseits mit den immer noch fehlenden Finanzen für ein grösseres Center und einen Schulbus konfrontiert. Der Druck wird immer grösser; zahlreiche durch den Fernsehbeitrag ausgelöste Anfragen gehen ein, und ich stehe kurz vor meiner erneuten Abreise nach Cagayan de Oro, wo ich zusammen mit Virgelia die Schlussplanung des Centers und den anschliessenden Aufbau in Angriff nehmen will. Es gehen jetzt glücklicherweise zahlreiche Privatspenden ein, wobei ich an dieser Stelle eine Spende besonders erwähnen möchte: Noch ist unklar, ob genügend Geld für den Bau eines grösseren Centers und einer längerfristigen Aufrechterhaltung unserer Programme zusammenkommen wird. Diese Ungewissheit ist nervenzerreissend, da wir jetzt dringend entscheiden müssen, ob wir den Plan für das Center abändern und daraus ein wesentlich grösseres Center, welches uns die Aufnahme aller zusätzlichen Patenkinder erlauben und Platz für eine spätere Tagesschule bieten würde, bauen wollen. Nach reiflichem Überlegen, dem Abwägen von Chancen und Risiken sowie Gebeten von Virgelia und den Kindern geschieht etwas Unerwartetes. Ein Mann meldet sich telefonisch bei mir. Seine Stimme klingt ganz aufgeregt und er fragt, ob ich seinen Brief nicht erhalten hätte. Es ist mir dabei peinlich zuzugeben, dass ich mit den ganzen Mailanfragen, Telefonaten und Postsendungen der vergangenen Tage etwas überfordert bin. Der Mann fährt fort, dass er IKP in der Sendung „Schweiz aktuell“ gesehen habe und er begeistert sei von unserer Tätigkeit auf den Philippinen. Er erklärt mir, dass er am Tag nach der Sendung zusammen mit seinem Schwiegersohn ein Wohnmobil habe kaufen wollen. Dafür hätten sie beide nun einige Jahre Geld gespart. Als er nach der Sendung zu Bett gegangen sei, habe er nicht einschlafen können. Ständig habe er an die Bilder mit den Kindern auf der Müllhalde gedacht und ganz plötzlich habe er Gottes Stimme vernommen. Gott habe ihm klar und deutlich zu verstehen gegeben, dass er kein Wohnmobil kaufen, sondern das ganze gesparte Geld Island Kids Philippines schenken soll. Am Morgen habe er seiner Frau von der göttlichen Weisung erzählt. Diese habe den Ernst der Sache ebenfalls gespürt und ihm gesagt, dass er das Geld in der Höhe von CHF 17‘000.- zugunsten von IKP spenden soll. Meine Mutter und ich werden nach dem speziellen Telefonat zum Abendessen eingeladen, wo wir die Familie, die zum Wohle der Island Kids auf ihr Wohnmobil verzichtet, erstmals kennenlernen. Das Ehepaar hat absolut keinen Bezug zu den Philippinen und hat sich eigentlich auch nie für diese Region interessiert. Dennoch, sagen sie, sei die göttliche Führung ganz klar und unmissverständlich gekommen. Wir alle sind uns beim Gespräch während dem Essen einig, dass dies kein Zufall sein kann. Die Begegnung führt für mich zu einer Freundschaft, die hoffentlich noch lange anhält. Ich stelle danach fest, dass mit den zusätzlichen CHF 17'000.- all unsere Sorgen verflogen sind. Es gibt nun keine Zweifel mehr, das grössere Center kann gebaut und später kann sogar ein Schulbus angeschafft werden. Damit werden wir endlich genügend Platz für eine Tagesschule und die Betreuung aller zusätzlichen Patenkinder haben. Neuplanung Dank der glücklichen und bestimmt nicht zufälligen Ereignisse, können wir schliesslich die kurzfristige Neuplanung des Mehrzweckcenters in Angriff nehmen. Der neue Plan sieht nach wie vor die Renovation des bestehenden Gebäudes vor. Jedoch soll nun anstelle eines separaten Billigbaus, der bestehende Teil auf mehr als das Dreifache seiner Fläche vergrössert werden. Das heisst, neu soll ein zweistöckiges Gebäude mit einem Dachstock und einer Gesamtfläche von 360 Quadratmetern entstehen. Neben dem Hauptgebäude sollen zudem die dringend benötigten Sanitäranlagen und später eventuell ein überdachter, halboffener Vorplatz entstehen. Die Nasszonen werden dabei ebenfalls in einer grösseren Dimension als ursprünglich geplant.
Abbrucharbeiten am baufälligen Gebäude Nach dem Abschluss der Planungsphase, Ende November 2008, beginnen am 1. Dezember 2008 die Bauarbeiten. In einer ersten Phase wird nun ein Teil des Gebäudes abgebrochen. Wir entschieden uns, die Abbrucharbeiten zusammen mit Vätern von durch uns unterstützten Kindern durchzuführen. Es ist uns dabei, wie bei all unseren Projekten, sehr wichtig, dass die Wertstoffsammler aktiv am Aufbau des für ihre Kinder bestimmten Centers mitarbeiten können. Sie haben dadurch die Möglichkeit, aktiv Einfluss auf die Entstehung des Centers zu nehmen und ihre Ideen einzubringen. Zudem entsteht bei ihnen ein starkes Gefühl der Verbundenheit mit IKP und seiner Vision, welches die Unterstützung und Förderung ihrer Kinder wesentlich einfacher macht. Planänderungen und Aufbau Nach dem Abbruch der stark heruntergekommenen Gebäudehälfte, können die Aufbauarbeiten des Centers gestartet werden. Die Arbeiten, welche am 1. Dezember beginnen, kommen gut voran. Neben dem Bauführer, professionellen Maurern und Zimmerleuten (aus der Region), werden auch hier wieder Wertstoffsammler als Hilfskräfte angestellt. Technisches Gerät ist kaum vorhanden; gearbeitet wird mit einfachsten Werkzeugen und ohne Maschinen. Um das dringend benötigte Center innert nützlicher Frist fertigzustellen, wird auch am Abend und samstags gearbeitet. Als ich Ende Dezember in die Schweiz zurückkehre, ist das Mauerwerk beinahe fertig. Anfangs Januar 2009 kommt es in Cagayan de Oro zu starken Unwettern, welche die halbe Stadt überfluten. Heftiger Regen lässt den Cagayan River innert kürzester Zeit über die Ufer treten und zahlreiche Armenviertel überschwemmen. Es kommt zu Erdrutschen und viele Strassenabschnitte sind nicht länger befahrbar - in der Region wird der Notstand ausgerufen. Unser Center liegt auf einer Anhöhe und ist nicht gefährdet. Die Bauarbeiten müssen jedoch für zwei Wochen eingestellt werden. Danach werden die Arbeiten wieder mit unverminderter Intensität fortgesetzt, sodass unser Bildungs- und Betreuungscenter anfangs April 2009 schon beinahe bezogen werden kann.
Zusammenarbeit mit Privatschule Während dem kurz vor dem Abschluss stehenden Innenausbau, anfangs April 2009, kommt es zu Gesprächen mit der Philadelphian Christian Academy. Dabei macht uns die PCA ein kaum fassbares Angebot. Dieses sieht vor, dass bei ausreichender, von uns zur Verfügung gestellter Infrastruktur, sämtliche Kinder von IKP in unserem Center, durch Lehrerinnen der Privatschule unterrichtet werden könnten. Demnach würden ab dem 15. April 2009, also bereits vor Beginn des neuen Schuljahres auf den Philippinen (1. Juni), alle Kinder und Jugendlichen von IKP - zu diesem Zeitpunkt bereits 50 an der Zahl - in der PCA eingeschult werden. Obwohl ein detaillierter Vertrag noch nicht besteht, fangen wir unverzüglich damit an, unser Center schulunterrichtstauglich, nach dem Standard der PCA, einzurichten. Die Zeit drängt einmal mehr und so machen sich unsere älteren Jungs, unter der Anleitung von Robert Demata, dem Ehemann von Virgelia, daran, Schulpulte zu zimmern und Wandtafeln an die künftigen Klassenzimmerwände zu hängen. Es werden vier Klassenzimmer und ein Raum für Computerunterricht eingerichtet. Noch während der Schreinerarbeiten nehmen die Lehrerinnen der PCA am 15. April den Unterricht auf. Sie bereiten die Island Kids in der sogenannten Sommerklasse auf das kommende Schuljahr vor, sodass den Kindern das Aufnehmen des Stoffes leichter fallen wird. Neudazugekommenen Kindern wird als erstes das Alphabet beigebracht. Zudem lernen sie, wie man sich in einer Schule benimmt und an welche Regeln man sich halten muss. Dies ist für Kinder, die sich nie geordnete Tagesstrukturen gewöhnt waren, manchmal nicht einfach. Auch für unsere künftigen Lehrkräfte ist die Sommerklasse hilfreich, da sie sich so besser auf ihre künftigen Schüler vorbereiten und auch noch Änderungen in den Klassen vornehmen können. Als ich im Mai nach Cagayan de Oro reise, geht es als erstes darum, den endgültigen Vertrag mit der PCA auszuarbeiten und zu unterzeichnen. Im Vertrag steht schliesslich, dass 4 Vollzeitlehrerinnen und eine Teilzeitlehrerin der PCA von IKP unter Arbeitsvertrag genommen werden. Sie werden fortan alle Mädchen und Jungen von IKP in unserem Bildungs- und Betreuungscenter unterrichten und dabei den offiziellen Stoffplan der PCA vermitteln. Weiter stellt IKP mit dem Center die Infrastruktur zur Verfügung. Auch sämtliches Schulmaterial muss von IKP besorgt und bereitgestellt werden. Die PCA ist ihrerseits für die Qualitätskontrolle verantwortlich, da der Unterricht unter der Lizenz der Privatschule stattfindet. Die Kinder haben bei der PCA die einzigartige Möglichkeit, bei guter Leistung Klassengrade schneller zu durchlaufen. Das System, wofür die PCA eine spezielle Lizenz des Bildungsdepartements hat, nennt sich „accelerating class“. Ist ein Schüler ein schneller Lerner, so kann er in einem Schuljahr mehrere Klassen absolvieren. Bedingung dafür ist, dass der Schüler den ganzen Stoffplan der jeweiligen Klassen durchgearbeitet hat und sämtliche Examen erfolgreich absolvieren konnte. Macht ein Schüler nur langsame Fortschritte, bleibt er im neuen Schuljahr in der alten Klasse, bis er den ganzen Stoffplan durchgearbeitet und die Examen mit Erfolg abgeschlossen hat. Der Unterricht passt sich also dem Tempo und den Fähigkeiten des einzelnen Kindes an und nicht umgekehrt. Dies ist für unsere Kids ein entscheidender Vorteil. Das System bietet Kindern mit einer raschen Auffassungsgabe die Möglichkeit, schneller vorwärtszukommen und gibt den langsamen Schülern die Möglichkeit, den Schulstoff richtig zu begreifen, bevor bereits wieder neuer Stoff dazukommt. Gerade für jene Schüler, die mit zehn und mehr Lebensjahren das erste Mal zur Schule gehen, ist dies sehr motivierend; so haben sie die Möglichkeit, die verpassten Schuljahre noch aufzuholen und die Grundschulzeit zu verkürzen. Bei den üblichen Gebühren der PCA von CHF 60.- pro Kind und Monat wäre für IKP eine Einschulung sämtlicher unterstützter Kinder in der PCA nicht in Frage gekommen. Durch das nun zur Verfügung stehende Center und dank dem Interesse sowie der Begeisterung der PCA für unser Projekt, können die Bildungskosten jetzt aber auf einen Drittel des eigentlichen Preises reduziert werden. Denn da nun durch IKP nicht pro Kind Gebühren entrichtet, sondern die Lehrpersonallöhne und die Schulmaterialkosten bezahlt werden, nehmen bei einer steigenden Anzahl unterstützter Kinder die Bildungskosten pro Kopf ab. Damit erhalten Wertstoffsammler- und Strassenkinder, welche am Rande der Gesellschaft ein trauriges Dasein fristeten, zu äusserst günstigen Konditionen qualitativ hochstehende Schulbildung und somit erheblich bessere Zukunftschancen. Der Vertrag mit der PCA darf als Pionierleistung in der Region angesehen werden; man stelle sich vor, dass eine der besseren Schulen der Stadt, welche bislang nur privilegierten Kindern zugänglich war, nun die Kinder der ärmsten Familien der Stadt unterrichtet. Anfangs Juni beginnen schliesslich 70 Kinder und Jugendliche von IKP das offizielle neue Schuljahr. Während der Unterricht bereits läuft, kommt es zum erfolgreichen Vertragsabschluss. Erweiterung des Centers Neben der Funktion als Schule soll das Center, wie ursprünglich geplant, auch als Betreuungscenter und als Kindertagestätte dienen. Es soll also ebenfalls die Funktionen eines sogenannten „Dormitories“, eines „Drop in Centers“ sowie eines „Day Care Centers“ übernehmen. Nach dem überraschend starken Wachstum von IKP im letzten Halbjahr und der äusserst erfreulichen Zusammenarbeit mit der Philadelphian Christian Academy, ist klar, dass eine Erweiterung des gerade aufgebauten Centers aus Platzgründen bald notwendig sein wird. Da mit einer möglichen späteren Vergrösserung des Centers bereits während der Planungsphase gerechnet wurde, stehen die Ausbaupläne und die errechneten Kosten für den Anbau bereits zur Verfügung. Dank erneuten grösseren Spendeneingängen steht einem Anbau nichts im Wege, und auf dem Vorplatz des Centers entsteht ein weiterer überdachter Raum, welcher fortan als Esssaal und Mehrzweckraum genutzt wird. Die Gesamtkosten des fertiggebauten Bildungs- und Betreuungscenter belaufen sich schliesslich auf knappe CHF 32‘000.-, was gerademal einem neuen Mittelklassepersonenwagen entspricht.
Epilog Die Mango gehört wohl zu den beliebtesten und süssesten Früchten der Philippinen. Bis die gelben, saftigen Früchte aber den Gaumen erfreuen, braucht es Einiges. Am Anfang steht ein winziger Samen. Und hat man diesen einmal in die Erde gesetzt, vergehen fünf Jahre bis der heranwachsende Mangobaum seine ersten Früchte trägt. Und trägt er nach geduldigem Warten, Hegen und Pflegen einmal Früchte, so sind diese zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Für den Bauern bedeutet dies erneut viel Arbeit und Schweissvergiessen. Er muss verhindern, dass seine Schützlinge vom Baume fallen, von Schädlingen befallen, von Tieren verzehrt oder gar gestohlen werden. Dabei schaffen es nach dem geduldigen Warten und den vergossenen Schweisstropfen kaum alle Früchte in den Korb. Hat der Bauer aber gute Arbeit geleistet und geduldig die lange Wartezeit überdauert, so werden am Ende zahlreiche Früchte gedeihen und den Bauern für seine aufgebrachte Geduld entschädigen. Im Frühjahr 2007 wurde mit Island Kids Philippines ebenfalls ein winziger Samen gesät. Dieser wuchs nach zweieinhalb Jahren zu einem jungen Baum heran und dieser Baum trägt heute bereits mehr als 70 Früchte. Wir beten dafür, dass all unsere Kinder und Jugendlichen ihre Chance wahrnehmen und den Weg in eine hoffnungsvolle Zukunft bis zum Ende gehen werden. Und wir sind überzeugt davon, dass wir mit dem Aufbringen der nötigen Geduld einmal zu den glücklichen Bauern gehören werden. |